Kavallierstart

Zwei Flieger, grau und ruhmumwittert,
sind einst nach Borkum hingeschlittert,
wo auf dem Flugplatz ohne Müh'
sie landen konnten ihre "Bü".

Kurz der Besuch, es drängt die Zeit.
Zum Rückflug ist man bald bereit
und nimmt zum Zeitersparniszwecke
sich nur ein Drittel jener Strecke,
die für den Start war vorgesehn
(Warum? Es wird auch so schon gehn!!!)

 Das Gas nach vorn! Der Vogel rollte,
nur lahm, als ob er nicht recht wollte,
weil seines Motors Kalorien
noch nicht zum Höhepunkt gediehen.

Doch zeichnete ganz klar sich ab:
Distanz zum Zaun? Die war zu knapp!
In einer Lage so wie hier
wird leicht ein Mann zum Kavalier;
denn parallel zu Liebesdingen
versucht er nun, sein Glück zu zwingen,
wird erst der Abstand mal geringer.

Ein Ruck am Arm, ein Zug am Finger -
und schon ist jedem gegenwärtig,
daß jetzt ein Kavalierstart fertig.

Der Vogel fliegt nicht - nein, er hängt
mit Krampf dem Himmel aufgezwöngt.
Bei solch fataler Knüppelführung
verwundert's nicht, daß dies Berührung
mit einem Zaunpfahl erstens brachte,
und zweitens dort ein Draht gleich krachte,
daß drittens fehlt vom Rumpf ein Stück
und halb das Leitwerk blieb zurück.

Ein Flugzeug ist - so stark Iädiert -
im Regelfall schnell abgeschmiert.
Hier war es Dusel, Schwein und Glück,
daß man zum Flugplatz kam zurück.


Es kosteten die Piloteure
voll lnbrunst jetzt die Erdenschwere.
Im Innern aber reift Erkenntnis
zu einem männlichen Geständnis:
Wer Startbahnlänge reduziert,
mit Kavalierstart operiert,
ist dadurch zwar in etwa schneller,
doch leicht... Beerdigungshauptdarsteller!!!