Taran - Mûr
Fortsetzung zur Geschichte "X-Mas Dragon Flight"
Kapitel 1: Die verbotene Insel Kapitel 5: Liebe - die älteste Magie der Welt Kapitel 2: Hexenhaftes Abendessen Kapitel 6 (noch in Arbeit) Kapitel 3: lernen, lernen, lernen ! Kapitel 4: Der Treueschwur
Kapitel 1: Die verbotene Insel
Aufwachen Kleiner!
Die Stimme, die Tim in seinem Kopf hörte, schien von sehr weit her zu kommen. Mit einem Kraftaufwand, der ihm ungeheuer groß vorkam, öffnete er die Augen und blickte in das verschwommene, schuppige Gesicht eines Drachen, das langsam immer schärfer wurde.
Na endlich! antwortete Drakota erleichtert. Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet!
Wo bin ich? fragte Tim, während er sich aufrichtete. Das Gras um ihn herum war kniehoch und leuchtend grün. Die Luft roch nach Kräutern.
Wir sind angekommen. Zum Glück ist dir nichts passiert. Anscheinend verträgt ein Mensch den Flug durch das Portal nicht so gut, wie die Elfen. Du hast mir echt einen Schreck eingejagt!
Tim sah sich verwundert um, während er aufstand. Neben ihm begannen die ersten Dünen und in der Ferne konnte er den Strand eines Meeres erkennen. Nach erster Einschätzung musste es wohl schon später Nachmittag sein.
"Ich kann mich kaum noch an etwas erinnern..." murmelte er, während er sich wieder dem Drachen zuwandte.
"Was ist passiert?"
Drakota sah ihn verwundert an. Das weißt du nicht mehr?
Der Junge schüttelte den Kopf.
Du bist mit mir nach deiner Feier auf meinem Rücken losgeflogen. Als ich durch das Portal flog, wurdest du plötzlich ohnmächtig. Seit heute Morgen sitze ich schon hier neben dir und warte, dass du aufwachst!
Drakota? flüsterte Tim
Na wenigstens kannst du dich noch an meinen Namen erinnern! bemerkte der Drache. Aber jetzt sollten wir los. Meister Tarnassus wartet schon auf uns. Er brennt darauf, dich kennenzulernen. Er leitet die Drachenreiterschule Taran - Mûr, die sich dort hinter dem Hügel befindet. Normalerweise ist es allen, außer den Schülern verboten, sich auf dieser Insel aufzuhalten. Darum solltest du besser bei mir bleiben!
Tim nickte. Es war noch immer ungewohnt für ihn, dass der Drache in seinen Gedanken sprach. Und jetzt auch noch der Neuanfang in einer neuen Welt, die er nur aus Drakota´s Erzählungen kannte. Er hatte für seinen Drachenfreund alles zurückgelassen. Seine Heimat, seine Freunde, seine ganze alte Welt.
Das ist also Eteo! dachte sich Tim und folgte mit Unbehagen Drakota über die Wiesen. Er begann seine Winterjacke auszuziehen, denn hier war es sehr warm. Noch vor wenigen Stunden, bevor er auf dem Drachen wegflog, stand ihm der Schnee bis zu den Knien und hier hatte es mindestens 30 Grad!
Der Drache sah ihm belustigt zu, während sie einem großen, flachen Gebäude am Fuße eines Berges immer näher kamen.
Was ihn nun erwarten sollte, würde sich zeigen....
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Als sie die Schule erreichten, kam ein junges Mädchen die große Treppe heruntergelaufen. Tim erinnerte sich an sie. Es war die Elfin Serenia, die ihm schon so oft im Traum erschienen war. Ihr langer Fellumhang war genauso weiß, wie ihre schulterlangen Haare.
Sie lächelte Tim an und er erschrak wieder beim Anblick ihrer spitzen Eckzähne und den katzenhaften, grünen Augen. Doch dann fiel ihm ein, dass er ja jetzt fast genauso aussah. Ein merkwürdiges Gefühl regte sich plötzlich in ihm
“Sie ist wunderschön!“ flüsterte Tim leise.
Der Drache sah den Jungen überrascht an.
Das Elfenmädchen legte zwei Finger an die Stirn. Tim wusste inzwischen, dass dies eine Grußformel war. Er tat dasselbe und sie lächelte wieder.
„Ich grüße dich Menschenkind. Und auch dich, Drakota. Du hast es sicher zurückgeschafft und deinen zukünftigen Reiter gewählt.“
Der Drache nickte.
„Meister Tarnassus ist zur Zeit nicht im Haus. Aber ich werde dir erstmal dein neues Zuhause zeigen.“
Der Junge folgte dem Elfenmädchen.
Taran-Mûr sah noch viel schöner aus, als in seinen Träumen. Das Gebäude bestand aus weißem Gestein mit einer riesigen Glaskuppel.
Im Inneren war es angenehm kühl.
Eine große goldene Wächter-Drachenstatue stand mit ausgebreiteten Flügeln in der Mitte eines riesigen Empfangssaales. Tim blickte nach oben durch die Glaskuppel und konnte wieder die zwei Monde am Abendhimmel sehen. Vor Staunen wäre er fast gegen die Drachenstatue gelaufen.
„Ist ja alles ziemlich riesig hier!“ flüsterte Tim.
Das liegt daran, dass die Drachen immer bei den Schülern sind. antwortete Drakota in Tims Gedanken. Deshalb sind alle Tore, Räume und Gänge groß genug für uns!
An den Wänden hingen Bilder die Drachen in allen nur erdenklichen Farben und Handlungen zeigten. Und immer wieder goldene Drachenstatuen. Mal kniend, dann wieder stehend.
„Hier werde ich mich bestimmt verlaufen!“ stellte der Junge fest, während sie durch die verschlungenen Gänge und Korridore gingen.
Ich bin doch ab jetzt immer bei dir!, erwiderte Drakota.
„Das ist ab jetzt dein eigener Bereich.“, sagte Serenia und öffnete eine große Tür am Ende eines langen Flures.
Vorsichtig betrat Tim das große Zimmer und schaute sich um. Es hatte ein riesiges Fenster mit einer großen Terrasse davor. Diese diente wohl als Landeplattform für die Drachen der Schüler. In der rechten Ecke befand sich ein großer Tisch mit allerlei Büchern darauf. Auch ein Zettel lag darauf. Die Schrift konnte er aber nicht lesen.
„Was bedeutet das?“ fragte der Junge.
Der Drache beute sich über Tim und las vor:
>>Hallo junger Drachenreiter,
Willkommen in Taran Mûr! Ich freue mich, dass du und dein Drache es geschafft haben, hierher zu kommen. Leider bin ich die nächsten Tage außer Hause, genauso wie die anderen Schüler, die für die nächsten Wochen frei haben. Aber du und Serenia könnt die Tage nutzen, um dich mit unserer Welt vertraut zu machen! Als nächstes musst du und Drakota den Treueschwur auf der Wächterinsel ablegen, wie alle Drachenreiter. Dieser Schwur besiegelt das Bündnis zwischen Drache und Reiter für die Ewigkeit. Dann werden wir dich in die tieferen Magiekreise einführen.<<
Tim blickte Drakota verwundert an.
„Was meint Meister Tarnassus mit Treueschwur auf der Wächterinsel?“
„Der Treueschwur ist die Besiegelung eurer Seelen für alle Zeit.“ sagte Serenia. „Ab dann seit ihr unzertrennlich verbunden. Jeder junge Drachenreiter legt ihn auf der Wächterinsel ab, die jenseits dieser Küste liegt.“
Tim schluckte. „Tut das weh?“
Serenia begann laut zu lachen. „Aber nein. Im Gegenteil!“
Dann drehte sie sich um.
„Ich gehe jetzt auf mein Zimmer. In einer Stunde hole ich dich zum Abendessen ab. Ich schaue nach meinen Drachen und bereite noch ein paar Zauber vor.“
Auf dem Flur drehte sie sich noch mal kurz um. „Falls ein großer roter Drache vorbeikommt und dir die Ohren vollplappert, dann ist es nur Xalathar.“
Tim nickte und sah sich weiter in seinem neuen Zuhause um, als Serenia gegangen war. Merkwürdige Lampen an der Wand verbreiteten ein angenehmes blaugrünes Licht. In jeder Ecke standen Pflanzen, die Tim aber nicht kannte. Sie hatten skurrile Formen und dufteten merkwürdig süßlich.
Am Schreibtisch angekommen kramte er seine Hosentaschen leer. Die letzten Erinnerungen an seine alte Welt. Fünf Knallfrösche, die noch von der Silvesterfeier übrig waren, zwei Feuerzeuge, ein USB Stick, ein Kugelschreiber und einen zerknitterten 20 Euro Schein.
Deine menschliche Vergangenheit ist bald genauso tot, wie der Schwarzmagier Necramor, kleiner Drachenelf! sagte Drakota.
Tim seufzte.
Eine Bogentür neben ihm führte in ein großes Zimmer mit einem Badebrunnen. Der Junge staunte beim Hineingehen. Ein Wasserspeier, der einer Schlange ähnelte, gurgelte heißes Kräuterwasser in das große, ovale Becken, dass mit tausenden Mosaiksteinchen bedeckt war. Der Raum war auch voller Pflanzen und hatte auch eine Glaskuppel an der Decke.
„Das ist kein Badezimmer, das ist ja eine Lagune!“ flüsterte der Junge. Lauter brachte er es durch den überwältigenden Anblick nicht hervor.
Deine Lagune! stellte Drakota klar.
Tim grinste.
Plötzlich gab ihm der Drache mit seinem Schwanz einen Schups und er fiel kopfüber hinein.
Drakota lachte laut.
„Na warte, du hinterhältige Echse!“ fluchte Tim und im nächsten Moment war die heftigste Wasserschlacht im Gange. Doch es brachte nichts, der Drache war viel stärker.
Erschöpft klammerte sich der Junge an den Wasserspeier in der Mitte des Beckens und japste: „Schon gut, du hast gewonnen!“
Während Tim seine durchnässten Klamotten auszog, schüttelte sich Drakota wie ein Hund das Wasser aus den Schuppen.
Erst jetzt merkte Tim, dass auch seine Haut mittlerweile eine ganz andere Farbe hatte. Sie war Weißgrün, wie bei den Elfen mit einem merkwürdigen schwachen Leuchten.
Mit dem Schwanz warf Drakota dem Jungen ein Handtuch ins Gesicht, dass zusammengefaltet auf einem warmen Stein lag.
“Wenn es für so was einen Zauber gäbe, das wäre schon toll.” bemerkte der Junge, während er sich abtrocknete.
Den gibt es. Aber merke dir gleich eines: Wenn du etwas mit Magie vollbringst, kostet es dich genauso viel Kraft, als wenn du es von Hand erledigst!, sagte Drakota.
Viele junge Schüler hier meinen, dass es viel einfacher ist, die Dinge im Haushalt mit Magie zu erledigen, doch da irren sie sich, haha!
Tim ging wieder zurück in sein Zimmer.
Plötzlich kam Serenia rein.
“Tim, kommst du runter? Es gibt leckeres Essen!”
Erschrocken zog Tim einen von Drakotas Flügeln vor sich, doch das Mädchen hatte längst gesehen, dass er nur ein Handtuch um hatte.
“Keine Angst, ich kucke dir nichts weg, hihihi!”
Ein roter Drache kam ebenfalls hinter Serenia herein. “Ah, das ist Tim, der junge Drachenreiter. Wunderbar! Vielleicht möchte er ja nachher etwas mit uns essen? Und dann könnten wir alle zusammen ein bisschen spielen. Ich würde gerne mal mit ihm die Schule erkunden, oder ihn fragen, was er schon alles über Magie weiß, oder-”
“Jetzt sei doch mal wieder still, du rotes Ding!” rief Serenia lachend. Dann wandte sie sich Tim zu. “Tut mir leid, aber mein Xalathar ist ein richtiges Plappermaul. Wenn er erst mal anfängt zu reden, dann hört er so schnell nicht mehr auf!”
“Ich bin kein Plappermaul!”, entgegnete der rote Drache und streckte dem Elfenmädchen seine gespaltene Zunge heraus. Tim musste grinsen.
“Soweit ich weiß hat Meister Tarnassus für dich ein paar Sachen im Schrank.” sagte Serenia. “Ich warte draußen im Flur auf dich”
Dann drehte sie sich um und flüsterte zu Xalathar: “Tim hat es nicht gerne, wenn man ihn halbnackt sieht, hihihi!”
Tim schüttelte lächelnd den Kopf, während Drakota den großen Holzkleiderschrank öffnete. Der Junge fand darin eine lange Hose und Schuhe aus weichem Wildleder, sowie ein dickes Lederbündel, das eine Rüstung aus grünen Drachenschuppen enthielt. Die hat Meister Tarnassus extra aufgehoben, für einen ganz besonderen jungen Drachenreiter! sagte Drakota. Die Schuppen sind von Araxus, einem der 3 Drachen, die diese Schule vor Jahrhunderten gegründet haben. Tim staunte nicht schlecht, als er die Rüstung an hatte. Sie war federleicht und behinderte in keinerlei Bewegungen. Das lederne Stirnband war mit smaragdgrünen Kristallen geschmückt und musste sehr wertvoll sein. Beim Blick in den Spiegel erkannte er sich nicht mehr wieder. Seine Ohren waren jetzt genauso lang, wie bei den anderen Elfen.
"Wenn du die Magie bald genauso gut beherrscht, wie Serenia, wird dir niemand mehr anmerken, dass du mal ein Mensch warst!"sagte Drakota stolz.
Tim musste grinsen.
Auf dem Weg nach unten versuchte sich Tim die vielen Gänge und Treppen zu merken, was ziemlich schwierig war. Taran Mûr war einfach riesig. Er blieb bei einem Bild stehen, dass die Welt Eteo mit den drei Monden zeigte.....
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Die Pflanzen, die überall aus Kübeln wuchsen, verbreiteten durch Biolumineszenz ein schwaches Leuchten in den verschiedensten Farben.
“Es gibt hier sogar ein eigenes Gewächshaus!” sagte Xalathar. “Serenia verbringt viel Zeit mit ihren Pflanzen. Besonders angetan haben es ihr die blauen Sternenfänger.”
Tim musste sich an seine Kakteensammlung erinnern, die immer noch in Hilpertsau stand. Wie würde es jetzt dort aussehen, bei den Sellners? Suchte ihn schon die Polizei per Fahndungsliste? Ein schlechtes Gewissen hatte er schon, dass er einfach so abgehauen ist. Immerhin würde man ihn jetzt als vermisst suchen. Aber was hätte er sagen sollen?? Etwa: >>Hey Leute, ich wandere nach Eteo aus. Ach übrigens, ich kann Magie wirken und meine Ohren sind spitz geworden. Falls ihr eine große, fledermausartige Kreatur am Himmel seht, dann ist das nur mein Drache….<<
Du solltest dir nicht mehr Sorgen darüber machen, sagte plötzlich Drakota in Tims Gedanken. Die Vergangenheit ist vergangen und lässt sich nicht mehr ändern!
Dann sah der Drache den Jungen an
Oder hast du etwa Heimweh?
Tim schüttelte den Kopf. “Nein. Überhaupt nicht. Im Gegenteil.”
Gut!
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Kapitel 2: Hexenhaftes Abendessen
Nach endlosem Laufen waren sie endlich in einem großen Saal angekommen, der nach leckerem Essen roch. Auch er hatte ein durchsichtiges Kuppeldach und war voller Pflanzen. Ein wenig erinnerte er Tim an das Hotel “Bamboos” auf Mallorca. Da war er mal im Urlaub und es wurden die wildesten Sangrianächte gefeiert. Mit einem Vollrausch wachte er am Strand mit Freunden auf und bekam Ärger mit der Hotelleitung…
“Wer ist denn noch hier?” fragte Tim, als er sich mit Serenia an einen der großen Holztische setzte. “Nur wir vier, ein paar Goblins und die Hexe Alane.” antwortete das Elfenmädchen. “Sie hat es in der Kochmagie zur Meisterschaft gebracht! Meistens sitzt sie in ihrem Labor, brodelt an Experimenten und will nicht gestört werden. Und die Goblins basteln in der Werkstatt an ihren Erfindungen. Man sieht sie fast nie.”
“Sturmfreie Bude für die nächsten 5 Tage!” sagte Xalathar. “Dann wird auch niemand da sein, der über deine Fehler in der Magieausbildung lachen kann, Tim!”
Der Junge seufzte.
Eine Tür am Ende des Saales ging auf und ein grünes Wesen, dass nur halb so groß wie Tim war, schob einen Wagen mit Essen herein. Tim wusste, dass es ein Goblin war. Seine Haut war dunkelgrün und seine Augen gelb. Die Ohren waren noch länger, als bei den Elfen.
“Heute ist wohl ein besonderer Tag.”, sagte er. Seine Stimme klang hell und witzig. “Immerhin haben wir einen neuen Drachenreiter. Ein Mensch, der kein Mensch mehr ist, hihi….” Tim musste lächeln. “Aarn Akari!” sagte der Kobold und die Kerzen, die auf dem Tisch standen, entzündeten sich. “Falls ihr noch was braucht, einfach nur rufen. Guten Appetit!“
Dann stellte er den Wagen neben den Tisch und verschwand wieder in die Küche. “Bei den Goblins musst du aufpassen.”, sagte Serenia. “Sie veralbern dich ständig und spielen magische Streiche.”
“Was denn für welche?” fragte der Junge besorgt
“Zum Beispiel unsichtbare Kraftfelder, wo du nichtsahnend dagegenläufst und so. Manchmal tun sie dir auch Schleimschnecken ins Essen….”
Tim blickte besorgt auf den Wagen mit dem vielen Essen
“Aber heute bestimmt nicht. Immerhin bist du neu hier.” sagte jetzt Xalathar. Mit seinen schuppigen Tatzen holte er einen großen Kübel unter dem Rollwagen hervor “Und die leckeren Fische gehören schon mal mir!”
Tim bestaunte die leckeren Sachen auf dem Wagen und fragte Drakota, der sich gerade einen anderen Kübel voller Fische herausnahm, was alles im Essen drin ist. “Wenn du es gegessen hast, sage mir, was dir am besten geschmeckt hat. Und dann werde ich dir sagen, was es war.”
“Aber keine Schleimschnecken, oder?”
Drakota schüttelte lachend den Kopf.
Zögerlich nahm sich der Junge ein paar von den bunten Früchten und dem Eintopf, indem seltsame Stückchen schwammen. Allerdings merkte er jetzt auch, welchen abnormalen Hunger er hatte. Seit der Silvesterfeier hatte er nämlich nichts mehr gegessen. Außerdem war ihm aufgefallen, dass die Zeit hier irgendwie anders vergeht, als auf der Erde. Die Tage dauerten länger.
“Drakota, stimmt es, dass die Tage hier länger sind, als auf der Erde?”
“Ja, Kleiner. Etwa doppelt so lange.”
“Daran muss ich mich erst gewöhnen.” seufzte Tim.
Es war für ihn jedes Mal nervig, wenn die Umstellung Sommerzeit/Winterzeit kam. Er war einer derer, dessen Biorhythmus dann verrückt spielte. Das Essen schmeckte lecker. Die Hexe verstand es wirklich, zu kochen. Einige Zutaten des Eintopfes waren höllisch scharf. Den grünen Saft, den er wie Wasser runterspülte, hatte einen zuckerähnlichen Beigeschmack. Serenia sagte, dass er aus einer kegelähnlichen Frucht gepresst wird, die bei den Elfen auf Bäumen wuchs. Satt und zufrieden gingen sie auf ihre Zimmer. Tim ließ sich auf Drakotas Rücken tragen und war längst eingeschlafen, als sie oben ankamen. Sanft legte der Drache den Jungen neben sich und deckte ihn mit seinem Flügel zu. Dann sah er noch ein letztes Mal durch das Glasdach zu den drei Monden, die leuchtend am Himmel standen.
“Das war ein Tag!” murmelte er noch. Kurz darauf war auch er eingeschlafen.
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Kapitel 3: lernen, lernen, lernen
Der Unterricht für Tim war lange und anstrengend. Er begann frühmorgens bei Sonnenaufgang und endete bei Einbruch der Dunkelheit. Da jeder Tag auf Eteo doppelt so lange dauert, wie auf der Erde, war der Unterricht auch doppelt so anstrengend. Morgens nach dem Frühstück begann die Theorie. Drakota und Xalathar brachten ihm das Lesen und Schreiben der alten Drachensprache bei, was dem Jungen allerdings sehr viel Spaß machte. Die Schrift bestand aus über hundert verschiedenen Runenzeichen und Symbolen. Erstaunlicherweise fiel es Tim nicht schwer, sich die ganzen Symbole zu merken und nach wenigen Tagen konnte er schon den ersten Satz in der Drachensprache sprechen:
“Aru ka Tim, na Taran Mûr. Ich bin Tim, dein Drachenreiter.”
Drakota sah ihn stolz an.
Die ersten Zauber lernte Tim in den darauffolgenden Tagen. Es begann mit den einfachsten Dingen, wie das Anzünden und Löschen von Feuer, oder das Einfrieren von Wasser. Aber nicht immer klappten die Zauber, wie sich Tim erhofft hatte. Einmal hätte er sich fast in Brand gesteckt.
Serenia hatte darüber noch stunden später gelacht. “Was unterscheidet einen Magier von einer Kerze?” fragte sie abends beim Essen. “Eine Kerze setzt sich nicht selbst in Brand.”
Die Drachen halfen Tim beim lernen, so gut sie konnten. “Um Magie benutzen zu können, musst du ihre Bedeutung kennen. Jeder Zauber, den du ausübst, erfordert das Kennen der Runensymbole, die du in deinen Gedanken heraufbeschwören musst.”
Drakota zeichnete mit einem großen Stift ein Symbol auf ein Pergament. “Dieses Runensymbol bedeutet >Aarn< und heißt soviel wie >Erschaffen<“ sagte er und zeichnete noch eine ganze Reihe weitere Runensymbole auf. Tim versuchte sich, so viele wie nur möglich einzuprägen:
“Ein Zauber besteht aus mehreren Runensymbolen.” fügte Drakota hinzu, während Tim die Symbole auswendig lernte. “Dies müssen mindestens zwei, können aber bis 88 dieser Symbole sein. Je mehr Runen dein Zauber braucht, desto schwerer ist er und desto länger dauert es, ihn zu sprechen.”
Tim notierte sich die Grundzauber, die er schon bald darauf auswendig kannte:
Aarn Akari = Kerzen anzünden,
Aarn Fridd Akara = Wasser einfrieren.
Schon bald darauf lernte er die ersten Kampfzauber, wie: Aarn Farach (Blitz beschwören). Nebenbei übte Serenia mit Tim den Umgang mit Pfeil und Bogen. Dies bereitete ihm keine allzu großen Schwierigkeiten. Hinter Taran Mûr war ein großer Übungsplatz neben einem See.
Tim hatte jetzt sogar seinen eigenen Bogen. Doch im Schwertkampf stellte sich der Junge noch sehr ungeschickt an.
“Jeder kleine Waldgoblin mit einem Knüppel könnte dich fertigmachen!” beanstandete Serenia, nachdem sie Tim grün und blau gekloppt hatte. Der Junge ließ alles über sich ergehen. Was ja auch nicht weiter schlimm war, da Drakota ihn danach immer wieder heilte.
“In meiner alten Heimat hatte ich nicht die Möglichkeit, das zu lernen!” rechtfertigte sich der Junge.
Es gab im hinteren Teil der Drachenreiterschule eine riesige Bibliothek, die Tim für sich alleine nutzen konnte.
Die Bücher, die er mit Xalathar durchnahm, beschäftigten sich mit den vielen verschiedenen Rassen, die auf Eteo lebten. Während die Elfen beispielsweise in den tiefsten Wäldern ihre Dörfer auf Bäumen haben, lebten die Argonier unter Wasser. In den Büchern war eine genaue Auflistung aller Rassen, mit Bildern.
Elfen:
Über die Elfen ist sehr wenig bekannt, da sie sehr zurückgezogen hinter dem Quadrahorn Gebirge in den tiefsten Wäldern leben. Sie sind etwas größer wie Menschen, haben lange, spitze Ohren und spitze Eckzähne. Sie leben auf Baumhäusern und im tiefen Einklang mit der Natur. Man sagt, sie haben es in der Magie zur Meisterschaft gebracht. Ihre Kultur reicht über mehrere Zehntausend Jahre zurück. Elfen sind geschickt mit dem Bogen und gefährliche Fernkampfjäger. Nur Elfen lassen die Drachen auf ihren Rücken reiten. (Und ganz selten auch einen Argonier oder Menschen)
Argonier:
Die Argonier sind eine Mischung aus Elf und Eidechse. Sie gehen auf zwei Beinen, haben eine schuppige, grüne Haut, einen langen Schwanz und Kiemen am Hals. Mit ihnen können sie unter Wasser atmen. Ihre Rasse besteht, wie bei den meisten anderen Völkern auch, aus zwei Geschlechtern. Sie bevölkern den Raum um das Ostmeer und waren den Elfen gegenüber stets loyal. Sie sprechen genauso wie die Elfen die alte Drachensprache und können diese auch lesen und schreiben. Wegen ihrer Stielaugen und der schuppigen Haut lösten sie bei den Menschen und Goblins Abscheu und Vorurteile aus, was vor langer Zeit auch zu einigen kleineren Kriegen führte.
Drachen:
Die Drachen bevölkerten Eteo lange vor den Elfen und den Argoniern. Sie sind eine hochintelligente Spezies, die es in der Magie zur Perfektion gebracht haben. Als einigste Rasse verfügen sie über die Fähigkeit, mittels Magie in den Weltraum zu fliegen und Teleportationszauber zu wirken. Ihr Wissen und ihre Stärke wird bei allen Völkern geehrt.
Zwerge:
Im Gegensatz zu den Elfen, Menschen und den Argoniern, sind Zwerge von einem ganz anderen Schlag. Sie haben eine Vorliebe für alles technische und mechanische. Außerdem sind sie die besten Schmiede der Welt! Nur Zwerge wissen, wie man Bergwerke klug anlegt und Erz großflächig abbaut, ohne die Flora und Fauna darüber zu zerstören, oder zu gefährden. Zwerge leben nicht an der Oberfläche, sondern in großen Städten, kilometertief unter der Erde. Zwerge können selbst bei völliger Dunkelheit sehen, verfügen aber nicht über Magiekenntnisse. Sie leben hauptsächlich vom Export von Erzen, Edelsteinen und dem Import von Nahrungsmitteln und anderen Lebensprodukten. Zu Drachen und Elfen haben Zwerge allerdings schlechte Beziehungen. Warum weiß niemand, doch es wird vermutet, dass es auf generationenlangen Vorurteilen beruht. Zwerge sind extrem stark und gefährliche Nahkampfkrieger.
Goblins:
Goblins leben hauptsächlich im Dunkelwald und den Hochebenen des Mittelgebirges. Sie sind ein bisschen kleiner als Zwerge, doch das ist für sie keinesfalls ein Nachteil. Rennen können sie doppelt so schnell, als Menschen und katzenhaft springen. Sie sind zwar wegen ihrer Fruchtbarkeit ein großes Volk, doch wegen ihres schlechten sozialen Verhaltens gelang es ihnen nie sich als Staat oder Gemeinschaft zu organisieren. Sie lügen, betrügen, sind schmutzig und unglaublich faul. Ihre Flinkheit und Geschicklichkeit machen sie aber zu mächtigen Verbündeten im Falle eines Krieges. Da sie nicht sehr intelligent sind, kann man sie leicht betrügen. Doch wehe dem, den sie dessen überführen - Ihre Rache ist gefürchtet!
Menschen:
Niemand weiß genau, wann und wie die ersten Menschen nach Eteo gekommen sind. Gerüchten zufolge soll es einmal ein Portal auf der Erde gegeben haben, doch fest überliefert ist es nicht. In den Wirren zahlreicher Kriege ging das Wissen der Menschen über ihre Herkunft verloren. So entwickelte sich auch im Laufe der Jahrhunderte eine eigenständige Sprache. Heute gibt es zahlreiche archäologische Unternehmungen der Menschen, um diese Frage zu klären.
Der Junge merkte gar nicht, wie ihm beim Lesen die Augen vor Müdigkeit zufielen. Aber die Drachen waren stolz auf ihn. Die erste Woche seiner Ausbildung hatte er überstanden!
Kapitel 4: Der Treueschwur
Tim wachte auf und stellte fest, dass es schon Mittag war! Die Drachen hatten ihn nicht, wie üblich, bei Sonnenaufgang aus dem Bett geworfen, sondern ließen ihn heute ausschlafen.
Ein ganz besonderer Tag ist heute!, vernahm der Junge plötzlich in seinem Kopf.
Drakota, wo bist du?
Ich bin unten vor der Schule. Du hast Besuch, Tim!
Ich komme gleich runter!
Er sprang aus dem Bett, zog sich seine grüne Drachenreiterrüstung an und eilte hinunter zu den Drachen. Immerhin kannte er jetzt den Weg durch das riesige Gebäude. Tim verschlug es die Sprache, als er im Hof ankam. Ein blauer Drache stand vor Xalathar und Drakota. Auf seinem Rücken saß ein Mann. Er hatte einen Vollbart und eine Rüstung, wie Tim. Nur bestand diese aus blauen Schuppen. In der rechten Hand hatte er einen langen Magierstab. Der Drache ließ ihn elegant absteigen. Tim verbeugte sich.
“Ich grüße dich, Tim. Ich habe schon von dir gehört. Du bist das Menschenkind, dass Drakota in der Menschenwelt Zuflucht gewährt hat. Gleichzeitig hast du dir damit einem mächtigen Nekromant zum Feind gemacht.” Der Junge nickte. “Dann bist du mutiger als ich es in deinem Alter war. Oh, entschuldige. Ich vergaß mich vorzustellen: Mein Name ist Tarnassus und das ist mein Drache Steceria. “Er ist wunderschön!” flüsterte Tim.
“Steceria ist weiblich.”
“Oh, Entschuldigung!” korrigierte der Junge schnell.
Jetzt trat die blaue Drachin an Tim heran und senkte ihren Kopf. Der Junge blickte in ihre saphirblauen Augen und berührte ihre Schnauzenspitze mit einer Hand.
Du bist ein Elf geworden und hast in kurzer Zeit vieles erreicht!
“Du sprichst in meinen Gedanken?”
Natürlich!, antwortete Steceria. Oder glaubst du, das kann nur dein Drache?
Drakota stellte sich neben Tim und sagte “Wir sind bereit, Meister!”
Der Magier lächelte. “Dann soll es so sein! Die Zeremonie ist heute Abend auf der Insel Akuan. Serenia, du weißt ja, wie das Ganze abläuft. Führe Tim dorthin! Ich bereite die nötigen Zauber vor und komme später nach.”
Das Elfenmädchen nickte und ging zu Xalathar. “Folge mir!” sagte sie, während sie flink und geschickt auf ihren Drachen sprang. Tim tat es ihr nach und so flogen sie hinaus in Richtung offenes Meer. Der Junge genoss den Flug. Anders als auf der Erde, konnten sie hier auf Eteo auch am Tag herumfliegen, wann und wo sie wollten und mussten sich vor niemandem verstecken. So verging der lange Nachmittag wie im Fluge.
“Eure beiden Monde sind wirklich schön!” sagte Tim zu Drakota, als er sie am Horizont neben der sinkenden Sonne sah.
“Eigentlich sind es drei!” entgegnete Drakota. “Trumor und Finghur sieht man jede Nacht, aber der kleine Rote, genannt Kalmhor, kommt nur einmal in 47 Tagen. So lange dauert hier eine Periode im Jahr, die ihr in der Menschenwelt Monate nennt!”
Nun erblickte der Junge Akuan. Die Insel war schon von Weitem zu sehen. Sie war bewaldet und hatte in der Mitte einen kleinen Hügel. Auf diesem stand eine Art Pyramide aus Glas. Das ist der Sternentempel!, vernahm Tim in seinem Kopf. Als sie im weichen Gras landeten, staunte Tim über die Bäume. Sie hatten lila und blaue Blätter. Außerdem verbreiteten sie einen eigenartigen, süßlichen Geruch. Mit Herzklopfen betrat Tim die Gläserne Pyramide, die etwas höher als die umliegenden Bäume war. Verschiedene Farben durchliefen das gläserne Material.
“Und wieder wollen sich zwei Seelen vereinen!”, erklang es plötzlich. Die Stimme war hell und freundlich. Sie schien von allen Seiten aus dem Glas der Pyramide zu kommen.
“Wer ist das?” fragte Tim unsicher.
“Das Sternenorakel!” antwortete Drakota. “Es vereint die Seelen von drache und Reiter und wacht über den Sternentempel.”
“Ihr beide seid hierher gekommen, um für immer eins zu werden.”
“Ja!” antworteten Tim und Drakota fast gleichzeitig, während sie sich kurz ansahen.
“Der junge Drachenreiter hat sich also entschieden.” sagte jetzt das Sternenorakel. “Doch seid gewarnt! Wenn eure Seelen erst mal eins sind, lässt sich dies nicht wieder rückgängig machen! Für alle Ewigkeit seit ihr aneinander gebunden. Was einer von euch fühlt, das fühlt auch der andere. Schmerz, Trauer, Freude….”
Drakota senkte seinen Kopf und antwortete: “So sei es!”
"Wenn dies wirklich euer Wunsch ist, dann setzt euch jetzt voreinander auf den Boden."
Tim und Drakota taten, wie es das Sternenorakel gesagt hatte, während im selben Moment Meister Tarnassus und Steceria ankamen. Der Junge setzte sich im Schneidersitz auf den Kristallboden. Auch der Drache setzte sich, direkt vor den Jungen. Jetzt begann Serenia, mit grüner Farbe seltsame Zeichen und Symbole auf Tims Gesicht zu malen. Auch bei Drakota zeichnete sie diese auf Schuppen und Flügel. Tim traute sich aber nicht zu fragen, wofür das gut sei.
Nun senkte Drakota er den Kopf und blickte dem Jungen tief in die ängstlichen Augen. Tims Herzschlag raste und Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn. Noch nie in seinem Leben war er so aufgeregt. Dann trat Meister Tarnassus zu ihnen in die Glaspyramide. Er legte eine große Schriftrolle auf eine Art Altar und begann zu sprechen. Seine Stimme hallte laut durch den Tempel:
“Die Drachenreiter sind die Beschützer von Eteo. Ein uralter Bund zwischen zwei Seelen, die nun eins werden. Schwört ihr, diese Aufgabe treu zu erfüllen?”
“Ich schwöre es!” antworteten Tim und Drakota gleichzeitig.
“Tim, du warst früher weder ein Elf, noch Argonier. Du bist erst seit einer Woche hier und der erste Mensch, der zum Drachenreiter wird. Bekennst du dich zu den Werten der Drachen?”
“Ja!” sagte der Junge, so laut es seine ängstliche Stimme zuließ.
“Drakota, deine Aufgabe als Drache ist es, Tim zu unterrichten und mit deinem Leben zu beschützen. Wirst du diese Aufgabe erfüllen?”
“Ja!” antwortete der junge Drache.
Meister Tarnassus trat neben die beiden und sagte:
“Tim, lege jetzt deine Hände auf Drakotas Kopf.
Der Junge tat es.
“Jetzt sprich mir nach: Meine Seele gehört jetzt dir. Ich bin jetzt für immer ein Teil von dir.”
Tim wiederholte den Satz und blickte dabei fest in die Augen seines Drachen. Er spürte einen unglaublich starken Magiefluss. Etwas Warmes schien in sein Bewusstsein einzudringen. Da merkte Tim, dass es Drakotas Drachenseele war!
“Meine Seele gehört dir. Ich bin von nun an immer ein Teil von dir!” sagte jetzt Drakota. Der Sternentempel leuchtete nun auf und verbreitete ein so helles Licht, dass es den Wald der Insel erleuchtete, als stünde die Sonne am Himmel. Etwas in Tim brannte wie Feuer. Erschöpft sank er zu Boden. Auch Drakota legte sich neben ihn hin.
“Geschafft, Kleiner. Ich bin so stolz auf dich!” sagte der Drache.
Meister Tarnassus lächelte zufrieden.
Kapitel 5: Liebe - die älteste Magie der Welt
Es war schon spät und die Sonne längst untergegangen, als Tim mit Drakota am See saß. Inzwischen war es auch nicht mehr so warm. Ein kühler Wind ließ die Blätter der Bäume rascheln. Tim hatte sich inzwischen wieder etwas erholt und spürte seit dem Treueschwur ein eigenartiges Gefühl in sich. Es war die direkte Präsenz seines Drachens. Er konnte IHN spüren! Seine Gefühle, seine ganze Persönlichkeit.
Genauso war es auch umgekehrt.
Tim sammelte Steine ein und ließ sie über das Wasser flippen, während er am Ufer auf und ab ging. Drakota merkte schon die ganze Zeit, dass etwas mit Tim nicht stimmte.
“Kleiner, was ist denn mit dir los?” fragte der Drache.
Tim seufzte laut. “Na ja, wie soll ich sagen…”
“Bist du über irgendwas unglücklich?”
“Nein, im Gegenteil”, antwortete der Junge. “Du bist der Einzige, dem ich das so sagen kann, weil ich dir mehr vertraue, als irgend einem anderen Wesen auf der Welt.“
Der Drache senkte den Kopf und stubste Tim belustigt mit dem Schwanz an. “Jetzt rede nicht um den heißen Brei. Spuck´s schon aus!“
Der Junge holte tief Luft: “Es ist nur wegen Serenia. Ich …. ich glaube ich bin….. in sie verliebt.”
Drakota warf den Kopf zurück und fing laut an zu lachen. Er lachte und lachte. Dann rollte er sich regelrecht am Boden, so lustig fand er das.
“Was ist denn daran so komisch?” fragte Tim gekränkt.
Drakota prustete immer noch. “Was so komisch ist? Dass musste ja früher, oder später passieren! Seit wir hier sind, kuckt sie dir doch nur noch hinterher!”
“Wirklich?” fragte Tim ungläubig. “Du meinst, sie empfindet auch was für mich?”
Drakota blickte jetzt dem jungen Drachenreiter ernst in die Augen. “So wie ich das sehe, schon. Immerhin bist du jetzt auch ein Elf. Und du siehst - nun ja - nach deren Maß wirklich hübsch aus.”
Tim wurde knallrot im Gesicht.
“Du solltest mal mit ihr darüber reden.”
“Danke.” sagte Tim erleichtert. “Aber irgendwie…. traue ich mich nicht!”
Drakota rollte mit den Augen und seufzte: “Liebe ist die älteste und schönste Magie der Welt. Sie zu beherrschen ist das Schwierigste, was es gibt. Oder das Einfachste.”
“Ja,” meinte der Junge. “Ich hab nur Angst, dass ich was falsch mache und alles versaue.”
Drakota küsste dem jungen Drachenreiter sanft auf die Stirn. “Folge einfach deinem Herz. Dann machst du nichts falsch.”
Tim lächelte.
Am nächsten Tag war Tim eifrig dabei, die neuen Bücher zu lesen, die ihm Meister Tarnassus gegeben hatte. Sie enthielten verschiedene Zauber, die der Junge lernen musste. Außerdem erfuhr er etwas über die Pflanzen und Tiere von Eteo. Steceria und Drakota fragten ihn nach jedem Kapitel ab. So ging das den ganzen Tag. Tim hatte schon 5 Bücher durch, als er merkte, dass es draußen schon wieder dunkel wurde. Kyrn, der grüne Goblin brachte schließlich das Abendessen auf einem Rollwagen nach oben.
“Aha, sieh mal einer an!” sagte er. “Der junge Me- ähm, Elf kommt von den Büchern nicht mehr los.” Tim lehnte sich zurück und streckte sich. Seine Augen taten weh vom vielen Lesen.
“Du solltest mal eine Pause machen.” sagte der Goblin. “Serenia wollte dich sehen.”
Tim nahm sich einige Speisen vom Wagen und begann zu essen. “Was will sie denn?” fragte er mit halbvollem Mund.
“Keine Ahnung. Sie sagte nur irgendetwas von einem Auftrag.”
Dann schob Kyrn den Essenswagen aus Tim´s Zimmer und verschwand wieder. Nach dem Essen ging Tim hinaus auf den Flur. Die Drachen schliefen schon, als er sich durch die Dunkelheit zu Serenias Zimmer tastete. Wieder erwies sich seine Fähigkeit, im Dunkeln zu sehen, als hilfreich. Vorsichtig klopfte er bei Serenia an.
“Tim, bist du das?” fragte sie. “Komm nur rein!”
Er öffnete die Tür und kam vorsichtig ins Zimmer. Xalathar schlief schon fest auf seinem Schlafplatz vor dem großen Fenster. Das Elfenmädchen saß an ihrem Schreibtisch und hielt ein Pergament in den Händen. “Necromar ist gesehen worden!” sagte sie.
“Der Schwarzmagier? Wo?”
“In Esothorna. Das sind etwa zwei Flugtage. Dort schnüffeln zur Zeit die schwarzen Schergen im Auftrag des Zirkels herum. Necromar weiß, dass du hier bist - aber er weiß nicht wo.”
Tim schluckte.
“Meister Tarnassus hat gesagt, dass wir uns übermorgen dorthin begeben müssen! Ein alter Freund von ihm, ein Magier hat möglicherweise eine Möglichkeit gefunden, den schwarzen Zirkel aufzuhalten.”
Der Junge nickte.
“Serenia stand auf und legte ihm eine Hand auf die Schulter. “Er wird morgen mit uns noch die Einzelheiten besprechen.”
Dann öffnete sie die Tür und ging hinaus auf die große Terrasse. Tim folgte ihr. Kühl rauschte der Wind durch die Nacht. Es war sternenklar und nun sah der Junge zum ersten Mal den kleinen roten Mond Kalmhor.
“Der See ist wunderschön, wenn ihn das Licht der Monde beleuchtet.” sagte das Elfenmädchen.
“Ja das ist er.” murmelte Tim. “Aber…. er ist bei weitem nicht so schön wie du!”
Worte, die sich Tim sonst nie getraut hätte zu sagen, kamen wie von selbst.
Serenia sah ihn lächelnd an.
“Serenia… ich muss dir etwas-” wollte der Junge ansetzen, doch das Elfenmädchen legte ihre Finger auf seine Lippen. Dann beugte sie sich nach vorne zu ihm.
Das Herz des jungen Drachenreiters raste wie wild, als sich sanft ihre Lippen berührten. Noch nie zuvor hatte Tim ein Mädchen geküsst. Es war einfach wunderschön. Die Zeit schien jetzt vollkommen stillzustehen.
Völlig in sich versunken standen sie da. Sein Gefühl lief über vor neuen Eindrücken. Sanft umarmten sie sich. Tim spürte ihre weichen Haare, ihren schönen geformten Körper.
Beide merkten gar nicht, wie Meister Tarnassus sie aus seinem Fenster beobachtete. Er lächelte nur und schloss dann den Vorhang.
Nach einer Ewigkeit lösten sie sich voneinander und Serenia flüsterte leise:
“Du bist nicht der Einzige, der sich verliebt hat.”
Tim lächelte. "Ich habe mich bis jetzt nicht getraut, es dir zu sagen, aber ich habe mich in dich verliebt, seit ich dich das erste Mal in meinem Traum gesehen habe."
Das Elfenmädchen streichelte ihm über die Wangen.
Dann küssten sie sich erneut.
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Kapitel 6: Der schwarze Zeppelin
(Noch in Arbeit)